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Ein Leben auf der Überholspur

7. September 2017

Kaum zu glauben, was in ein einziges Leben passen kann. Dabei ist Daniel Hallgrimson erst 44 Jahre alt. Der gebürtige Amerikaner wurde nach vielen Stationen in Düsseldorf heimisch und zieht nun von Kaiserswerth aus die Strippen seines weit verzweigten Unternehmens. Er ist Ex-Basketball-Profi, Musiker, Event-Manager. Seine Firma The HEG steht für Hallgrimson Entertainment Group, seine Show-Band „Fresh Music Live“ für poppige Unterhaltung vor großem Publikum. Auch in unserer Stadt mischen die Profi-Musiker seit Jahren die tollsten Szene-Partys auf, begeistern mit Rock, Soul und HipHop, mit Song-Klassikern und brandneuen Hits aus den Charts.

Es macht einen Heidenspaß, mit Daniel Hallgrimson durch die verschlungenen Wege seiner Karriere zu streifen, lustvoll abzuschweifen, den Faden neu aufzunehmen – und sich am Ende mit einer beeindruckenden Geschichte im Kopf von ihm zu verabschieden.

Versuch einer Chronologie. Daniel ist sechs Jahre alt, als die Familie aus den USA nach Deutschland zieht. Sein Vater wird Basketball-Trainer in Langen bei Frankfurt. Ein Jahr will man bleiben. Weil das Team aufsteigt, verlängert sich der Aufenthalt mehrmals. Mit 12 Jahren geht es zurück nach Amerika. Daniel beendet die Schule, hat bei einem Stipendium die Wahl zwischen Kunst und Sport. Er entscheidet sich für Sport. Genauer: für Basketball, gegen jeden Rat: „1,77 Meter groß und weiß, das war ja nicht so toll“, sagt er. „Aber ich wollte meinen Traum verwirklichen.“ Auf dem College studierte er International Business, doch eigentlich drehte sich sein Leben nur um den Sport. Dafür kam er wieder nach Deutschland, spielte bei den Basketball-Bundesligaclubs in Langen, Ludwigsburg und Braunschweig. Die Musik war damals noch Nebensache, wenn auch eine geliebte. Violine, Cello, Klavier ließ er schnell wieder außer Acht. Aber Singen, das gefiel ihm. Als er bei einem Karaoke-Wettbewerb in Frankfurt mit einem Song von George Michael als Sieger hervorging, erregte er nicht nur Aufmerksamkeit. Er geriet auch in die richtigen Kreise. Boygroups umwarben den smarten Jungen, aber ins Rampenlicht mochte er damals noch nicht. Allerdings sang er im Studio unentwegt Platten ein und wurde von Sony unter Vertrag genommen – wie sein Idol George Michael, den er in London traf. „Plötzlich befand ich mich in einer Art Traumwelt“, erzählt er, „um mich herum all den Größen des Musikgeschäfts. Dennoch war es frustrierend. Ich habe immer nur gewartet, reiste durch alle Metropolen der Welt, bekam aber keine Chance, einen Song aufzunehmen. Wie ein Sportler, der die ganze Zeit trainiert und nie ein Spiel machen darf.“

Also besser wieder zurück zum Basketball und nebenbei als Studiosänger für die besten Boygroups arbeiten – ein einträglicher Job. Die Sportkarriere platzte, als ihn in Florida eine gerissene Achillessehne für 12 Wochen in den Rollstuhl zwang. Nach seiner Genesung kam einer dieser seltenen Glücksmomente: Der TV-Sender Pro7 wollte den Kampagnen-Song „We love to entertain you“ auf den Markt bringen. Eine verrückte Geschichte: Erst sollte Bon Jovi ihn einsingen, dann Robbie Williams. Schließlich war es Daniel Hall, wie er sich als Künstler nannte. „Mein Durchbruch“, sagt er, „nach immerhin neun Jahren!“

Was dann ab 2003 alles passierte, lässt sich nur in Stichworten notieren: die Hits in den Charts, die europaweiten Auftritte, die wöchentlichen Live Sessions auf der Reeperbahn mit seiner Band „Fresh Milk Live“, jedes Mal ausverkauft. Ein Leben auf der Überholspur, schneller, weiter, höher – bis es ihn als Opening Act in die Shows von Britney Spears katapultierte: „Sogar nach Asien. Du steigst aus dem Flugzeug, tausende Fans schreien deinen Namen, überall siehst du Plakate mit deinem Foto. Echt krass.“

Höhenflüge satt. Aber dennoch kein Abheben. Davor bewahrte ihn seine Familie. Auch hier gab es viel Sonne und viel Schatten: „Bei mir war immer alles extrem.“ Daniel Hallgrimson ist es ein Bedürfnis, über das Sterben seiner Mutter, die dramatische Geburt seiner zweiten Tochter und die lebensgefährliche Herzoperation seiner Jüngsten zu sprechen. Diese Schicksalsschläge hinterließen Spuren. Mag sein, dass er dadurch als Künstler reifte: „Ich bin sehr emotional“, sagt er, „wenn du gut sein willst als Sänger und Songschreiber, musst du alle Gefühle sofort einfangen können.“

Der Familie zuliebe gab er eine Zeitlang seinen unsteten Job auf und arbeitete für die damals noch umsatzstarke Firma Maxfield von Franjo Pooth. Anfangs gefiel es ihm, zumal er seine Kontakte zu Künstlern nutzen konnte. Doch bald stieg er wieder aus: „So als Geschäftsmann im Anzug, das war nichts für mich. Immer öfter fragte ich mich, warum ich nicht wieder Musik mache.“ Das tat er dann auch und fuhr künftig zweigleisig. 2007 gründete er seine Firma HEG (Hallgrimson Entertainment Group), organisiert Veranstaltungen von der Promi-Hochzeit bis zur Weihnachtsfeier von Bayern München und vermittelt Künstler für diverse Events. Zwischendurch gehörten ihm auch mal für 6 Jahre lang die Rudas-Studios im Medienhafen. Und dann ist er die Stimme seiner Band „Fresh Music Live“. Selbst in Düsseldorf weiß man kaum, dass die Gruppe weltweit tourt und allein im Mai und Juni auf 50 Shows kam. „Ich muss überlegen, wo wir noch nicht waren“, grübelt Daniel Hallgrimson. „Afrika“, fällt ihm dann ein, „und Island, die Heimat meines Opas.“

Seine Highlights? Sicher gehören die 17 ausgebuchten Nächte hintereinander im deutschen Haus bei den Olympischen Spielen in London dazu. Die Feier „70 Jahre Ferrari“ in Mailand. Und die Präsentation für Audi auf einer gigantischen Eisfläche in Seoul: „Alle hatten uns vor den zurückhaltenden Koreanern gewarnt. Dabei sprangen die auf und konnten sich kaum beruhigen vor Begeisterung.“ Die Band nennt er sein „schnellstes Pferd im Stall“. Und noch ein weiteres Feld tat sich für ihn auf: Seit sieben Jahren begleitet „Fresh Music Live“ die Fernsehsendung „The Voice“.

Daniel Hallgrimson hat sein Pensum etwas zurückgeschraubt, um nicht blind zu werden für die wahren Werte des Lebens – die gemeinsame Zeit mit Familie und Freunden. Aber man spürt, wie sehr ihn sein künstlerisches Schaffen beflügelt und erfüllt, wie neue Pläne daraus erwachsen. Sein Haus in Lohausen ist ein kreatives Zentrum mit Platz für eine weitere Agentur, eine Batterie an Instrumenten, Proberäume, ein Studio und Schlafräume für Künstler. Düsseldorf sei der perfekte Ort für seine Ideenschmiede, sagt er: „Für diese Stadt möchte ich gern noch viel mehr tun.“

Credits: Rigina Goldlücke für „Top Magazine – Düsseldorf“ – Herbst, 2017
Foto: Martin Misere